Niederländischer Bio-Großhändler nimmt Ecover wegen synthetischen Algenöls (Synbio) aus dem Sortiment

De Nieuwe Band hat die Wasch- und Reinigungsmittelmarke Ecover Ende des letzten Jahres aus dem Sortiment genommen. Im "Nieuwsbrief" von November 2014 erklärt der niederländische Bio-Großhändler die Beweggründe für diesen Schritt. Wir stellen hier neben dem Originaltext eine Übersetzung in deutscher Sprache zur Verfügung:




De Nieuwe Band entscheidet sich für Sonett und Bioclean und beendet Zusammenarbeit mit Ecover


Sie sind es von uns gewöhnt, dass wir seit 30 Jahren für Produkte, die gut für Mensch und Natur sind, stehen. Deshalb arbeiten wir ausschließlich mit Produkten aus biologischem (dynamischen) Anbau, wobei biologisch dabei Hand in Hand gehen sollte mit sozialer Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. In diesem Zusammenhang werden wir regelmäßig mit herausfordernden Entscheidungen konfrontiert.
Wir haben nun beschlossen, alle Produkte von Ecover zum 1. November aus dem Vertrieb zu nehmen. Dies war keine einfache Entscheidung. Es ist eine komplexe Angelegenheit, die in erster Linie auch mit Umsatzeinbußen einhergeht. Doch wir entscheiden uns eindeutig für Marken, die besser zu unseren Maximen passen, wie Sonett und Bioclean. Mit diesen beiden Marken bieten wir Ihnen damit weiterhin ein vollständiges Sortiment von Wasch- und Reinigungsmitteln an, die dem Schutz von Natur und Umwelt stärker Rechnung tragen.

Ecover – und synthetische Biologie
Ausschlaggebend für uns, nur noch mit Sonett und Bioclean zusammen zu arbeiten, sind die Pläne Ecovers, ein synthetisch hergestelltes Pflanzenöl aus Algen („Synbio“) zu verwenden (von internationalen Umweltschutzorganisationen auch als „extreme gentechnische Manipulation“ bezeichnet). Dieses Pflanzenöl soll eine kostengünstigere Alternative zu Palm- und Kokosöl und laut Ecover ergiebiger sein.
Diese Produktionsmethode ist laut einer großen Gruppe von Umweltorganisationen in Wahrheit eine Abwendung vom Natürlichen und stellt eine Bedrohung der Biodiversität dar. Darüber hinaus wird brasilianischer nicht-biologischer Rohrzucker aus monokulturellem Anbau als „Wirt“ für die Algen verwendet. Demgegenüber argumentieren die Umweltorganisationen, es gäbe keine Garantie, dass dies nicht mit weiterer Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet einhergeht.  Deshalb haben Umweltschutzorganisationen Ecover dazu aufgerufen, dies zu stoppen. Da die Gespräche mit Ecover erfolglos verliefen, wurde diesen Sommer eine Online-Petition aufgesetzt, die innerhalb kürzester Zeit von zehntausenden Konsumenten unterzeichnet wurde. Ecover hat daraufhin die Verwendung dieses Algenöls bis zum Frühling 2015 ausgesetzt.
Es ist lobenswert, dass Ecover die Einführung verschoben hat. Umweltorganisationen sind aber der Ansicht, dass dieser Schritt eher unternommen wurde, um eine Werbeoffensive für die synthetische Biologie vorzubereiten, als dass Ecover vom Einsatz dieser Technologie absehen wird.
Auf einer Tagung von Synbio-Betreibern (darunter der Ecover-Lieferant Solazyme) im Mai diesen Jahres wurde darüber diskutiert, wie die Akzeptanz von Synbio bei den Konsumenten gesteigert werden könne. Es könnte sein, dass die heutige Namensgebung verändert werden muss, da „synthetische Biologie“ negativen Assoziationen weckt. Eine Reihe alternativer Bezeichnungen wurden vorgebracht, wie „natürlich“ und „erzeugt durch Fermentation“, da diese suggerieren, dass es sich um einen natürlichen Prozess handelt.


Ecover kein Gütezeichen
Marken wie Sonett und Bioclean haben Ecover in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit unterdessen eingeholt. So wurde Anfang 2000 das Ecogarantie Gütezeichen gegründet, um dem Wildwuchs an Behauptungen „grüner Waschmittel“ (wie bei dem Ökolabel „Klok Eco“ des niederländischen Waschmittelherstellers Klok, Anm. d. Übers.) mit kontrollierbaren, strengen Richtlinien entgegenzuwirken. So gut wie alle bekannten Pioniere der ökologischen Wasch- und Reinigungsmittelproduzenten (wie Sonett, Bioclean, Sodasan) haben sich bewusst für die Richtlinien dieses Gütezeichens entschieden. Ecover war zunächst auch an der Erstellung der Richtlinien beteiligt, stieg jedoch aus, da man sich nicht in der Forderung wiederfinden konnte, natürliche Inhaltsstoffe und Produktionstechniken anzuwenden.

Ecover enthält petrochemische Rohstoffe
Produkte von Ecover enthalten teilweise synthetische Parfums und petrochemische waschaktive Stoffe wie Natriumlaurylethersulfat und 2-Bromo-2-Nitropropan-1,3-diol. Darüberhinaus bleibt die Frage offen, wie natürlich der Produktionsprozess der Enzyme ist, die Ecover verwendet (Anm. d. Übersetzers: die von Ecover verwendeten Enzyme stammen von gentechnisch veränderten Mikroorganismen). Enzyme haben auch den Nachteil, dass sie als Rest in der Kleidung verbleiben und schädlich für die Haut sein können. Durch die eventuelle Beeinflussung von Hauteiweiß und –fett können allergische Reaktionen entstehen.

Ecover prinzipiell keine Verwendung natürlicher Rohstoffe
Ecover suggeriert mit der Bezeichnung „Bio-Tenside“, dass natürliche Rohstoffe verwendet werden, dies ist aber leider nicht der Fall. Ecover ist der Meinung, dass es ethisch nicht vertretbar ist, biologische Rohstoffe zu verwenden, da Lebensmittelversorgung wichtiger als Seife sei. Das klingt ehrenwert, aber wir können nicht erkennen, was diese nicht-biologische Monokultur von Zuckkerrohr (die für das Algenöl notwendig ist) mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Auch die Hoheit über die Lebensmittelversorgung ist nicht gegeben, solange die Bauern nicht die Verfügungsgewalt über das von ihnen bewirtschaftete Land haben, denn die  Zuckerplantagen befinden sich in den Händen großer multinationaler Konzerne wie Cargill.
Produzenten wie Sonett oder Almawin (Bioclean) haben sich deshalb dafür entschieden, nicht nur Reinigungsmittel herzustellen, welche die Umwelt so wenig wie möglich belasten, sondern bei denen bereits der Anbau der biologischen Inhaltstoffe zur Erholung einer fruchtbaren Erde beiträgt.

Ecover im Supermarkt
Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass Ecover auch zunehmend in konventionellen Supermärkten erhältlich ist. Dies war in den letzten Jahren bereits in unseren Nachbarländern üblich, nun ist es auch in den Niederlanden der Fall. Die Praxis zeigt beispielsweise in Belgien, dass Ecover im Supermarkt viel günstiger als im Naturkosthandel erhältlich ist.

"Aber Ecover ist günstiger und riecht besser"
Es stimmt, dass Sonett-Produkte in der Anschaffung teurer sind als Ecover. Dies ist eine unmittelbare Folge aus der Herkunft der Inhaltstoffe: Qualität hat ihren Preis. Im Verbrauch sind mehrere Sonett-Produkte jedoch trotzdem gleich im Preis, wenn nicht sogar günstiger, da sie viel ergiebiger sind.
Die deutsche Zeitschrift "Öko-Test" veröffentlichte im März diesen Jahres, dass der Preis pro Waschgang mit dem Waschmittel "Color" gleich hoch war.  Vom Sonett-Allesreiniger benötigt man nur 5-10ml auf 10 Liter Wasser, während Ecover 30-60ml  auf 5 Liter Wasser angibt.  Im Gebrauch ist Sonett damit pro Reinigung sieben Mal günstiger als Ecover.
Zum Geruch. Sonett benutzt ausschließlich Aromen mit natürlichen Inhaltsstoffen während Ecover synthetische Parfums verwendet, die viel stärker riechen. Deshalb duften die Sonett-Produkte weniger intensiv und anders und das ist eine Frage der Gewohnheit. Dies ist vergleichbar mit Menschen, die konventionelle Marmelade gewohnt sind und zum ersten Mal einen biologischen Fruchtaufstrich essen. Da die Geschmacksnerven  den süßen Zuckergeschmack mit möglicherweise künstlichen Aromen vermissen, ist die erste Reaktion oft, dass ihnen dieser nicht schmeckt.

Eine Wahl treffen: eine ständige Herausforderung
Wir sind uns darüber im Klaren, dass sich Ecover in den Niederlanden als Pionier einen großen Namen aufgebaut hat und den größten Umsatz in diesem Segment macht. Auch bei uns. Für uns bestehen inzwischen zu viele Fragezeichen und Bedenken in Bezug auf Inhaltstoffe und Herkunft der Ecover-Produkte, dass wir beschlossen haben, den Verkauf zu beenden. Stattdessen möchten wir ganz auf Marken setzen, die keine bedenklichen Technologien und Inhaltsstoffe verwenden. Damit entscheiden wir uns für Produzenten, bei denen wir auf ganzer Linie merken, dass sie sich bewusst für die Verwendung biologischer Inhaltsstoffe und für Nachhaltigkeit entscheiden.
Dass wir durch unsere Entscheidung zunächst "gute" Umsätze verlieren (Ecover verkauft sich bis jetzt von selbst) und mit Sonett und Bioclean mehr Arbeit investieren müssen, ist für uns eine Herausforderung, der wir uns gern stellen.
Mitte der Achtziger Jahre haben wir gemeinsam mit einer Handvoll Naturkostläden als erster Großhändler beschlossen, ausschließlich mit Produkten aus 100% biologischem Anbau zu handeln. Damals gab es noch viele sich gut verkaufende nicht-biologische Produkte im Naturkosthandel. Unser Ansatz war - und ist -, dass wir dem biologischer Anbau nur dann eine faire Aussicht auf Erfolg geben können, wenn wir eindeutig auf biologische und gute Qualität setzen. Wir müssen stets nach einer Balance zwischen unseren anfänglichen Maximen und der Gewährleistung der Kontinuität von Nieuwe Band suchen. Mitunter machen wir hierbei kleine Schritte oder treten auf der Stelle, wenn damit finanzielle Einbußen verbunden sind. Und wir unternehmen große Schritte, wenn wir den Spielraum dafür haben. Denn es ist uns ein Bedürfnis, dies für die Erde, die Menschen, die sie bewirtschaften und die Konsumenten, die voller Vertrauen unseren Läden einkaufen, zu tun.

Nieuwsbrief im Original lesen

http://www.huffingtonpost.com/erich-pica/ecover-come-clean-about-u_b_5658392.html

http://www.theguardian.com/science/political-science/2014/jul/08/what-syn-a-name

http://schrotundkorn.de/news/lesen/ecover-vorerst-doch-kein-waschmittel-mit-algenoel.html

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/29206.html